Gesammelte Werke, Bd.56, Der Weg nach Waterloo (Gebundene Ausgabe)
von Karl May

Paris 1814/15. In den letzten Tage Napoleons.
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Erster Teil des Romans "Die Liebe des Ulanen", erschienen in vier Bänden (die anderen Bände sind "Das Geheimnis des Marabut", "Der Spion von Ortry" und "Die Herren Greiffenklau"). Der Roman spielt zum grössten Teil in Frankreich bzw. im französisch besetzten Algerien. Er erzählt die Geschichte der Familie Greiffenklau, einer preussische Offiziersfamilie, die an wichtigen Ereignissen des 19. Jahrhunderts teilnimmt: Als Eroberer im besetzten Paris 1814, als Afrikaforscher in Algerien und Timbuktu oder als Spion und Ulanenrittmeister im deutsch-französischen Krieg 1870/71. Überhaupt hat die Familie ziemlich enge Bindungen an Frankreich: Alle drei Hauptdarsteller, Hugo, Sohn Gebhardt und Enkel Richard von Greiffenklau heiraten jeweils Französinnen. Teile derer Familien sind davon nicht unbedingt begeistert und intrigieren, woraus sich die Abenteuer der Protagonisten ergeben.

Im ersten Teil des Romans, einer spannenden Erzählung aus den letzten Tagen Napoleons, verliebt sich Hugo von Greiffenklau in die schöne Margot de Richemonte. Deren Bruder Albin, Offizier der Kaisergarde Napoleons, mit dem Hugo schon anderweitig aneinander geraten ist, versucht mit allen Mitteln, eine Verbindung der beiden zu verhindern. Hugo findet Unterstützung beim alten Feldmarschall Blücher, der ihm den Dienstweg gelegentlich abkürzt. Hugo gelingt es zwar, Margot bei einer Verwandten an der belgischen Grenze in Sicherheit zu bringen. Die Geschichte kompliziert sich aber, als Napoleon auf dem Weg nach Waterloo auf dem Anwesen auftaucht.

Karl May als Kind seiner Zeit kann in gewissen Kommentaren nicht einen gewissen Nationalismus verbergen. Dieser wirkt aber nicht so aufdringlich, dass man sich nicht daran stören müsste. Überhaupt kann man Karl May, trotz seiner teilweise recht kriegerischen Erzählungen, durchaus als Pazifist einstufen, was im nationalistisch-neurotischen 19. Jahrhundert nicht unbedingt selbstverständlich war. Hingegen sind seine Sprache und sein Schreibstil wunderbar zu lesen. Ein hervorragendes Beispiel für heutige Autoren mit ihrem teilweise recht holprigen Ausdruck. Obwohl Karl May in der "Liebe des Ulanen" aus seiner Sicht zeitgenössische Ereignisse beschreibt, kann man den Roman aus heutiger Sicht durchaus als "historisch" beschreiben.

Eine Empfehlung für die Freunde historischer Romane. Keine Angst, mit Winnetou oder Kara ben Nemsi hat das vorliegende Buch rein gar nichts zu tun. Seit sieben Jahren in Frankreich lebend sind mir keine grösseren Unebenheiten bei der Beschreibung der Örtlichkeiten bzw. verschiedentlich gestreuten französischen Ausdrücken aufgefallen. Manche französische Namen klingen vielleicht ein bisschen seltsam für französische Ohren; das stört aber nicht den hervorragenden Gesamteindruck des Werkes.
Eine Rezension von Alto Garino paris.fr
vom 18. Oktober 2004
Kundenrezensionen:
3. "Die Liebe des Ulanen"
2. Paris 1814/15. In den letzten Tage Napoleons. (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Spannender Kriminal-/ und Spionageroman
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